Über das Leben eines Nova Scotia Duck Tolling Retrievers

WT Westwärts 2017

Kurz vor meiner APD/R meinte Thomas so ganz nebenbei zu mir: »Ich will zwar keinen Druck aufbauen, aber wenn du die Prüfung schaffst, dann könnten wir zusammen ins Sauerland zum Workingtest fahren. Haste Interesse?« Natürlich!!! ;) Da Edison und ich im April einen guten Tag hatten, wollte ich Nägel mit Köpfen machen und meldete uns kurz vor Meldeschluss an. Ich war schon mega-neugierig, denn genau dafür bin ich mit Edison die Prüfung gelaufen, um endlich starten zu dürfen. Das Losglück war uns auch hold und wir erhielten beide die heiß ersehnte Startzusage.

Ich hatte nur eine vage Vorstellung davon, was es bedeutet, bei einem Workingtest zu starten. Wir haben zwar damals beim HTT-Workingtest mitgemacht, aber der hatte eher Trainingscharakter, da waren Fehler nicht so schlimm, weil keine Punkte in der Schnupper-Klasse vergeben wurden. Aber alles der Reihe nach. Zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr war erst einmal Anmeldung am Klaukenhof. Das hieß für mich um 4.30 Uhr aufzustehen, eine Runde mit Edison zu gehen, eine Kleinigkeit zu frühstücken, um dann kurz vor sechs bei Thomas aufzuschlagen. Wir hatten uns zuvor abgesprochen gemeinsam mit seinem Kleinbus zu fahren, wo alle Zwei- und Vierbeiner genug Platz hatten.

Die zwei Stunden Autofahrt vergingen wie im Flug. Um diese Uhrzeit war auch nix los auf den Straßen. Die Anmeldung ging genauso flott vonstatten. Insgesamt waren 68 Gespanne gemeldet. Edison und ich erhielten die Startnummer 20, Thomas mit Enyo die 22. Das bedeutete, wir wurden beide der Gruppe 2 zugeteilt, was hervorragend war, da wir so gemeinsam von Aufgabe zu Aufgabe wandern konnten. Die fünf Gruppen starteten jeweils an ihren entsprechenden Stationen: Gruppe 1 bei Aufgabe 1, Gruppe 2 bei Aufgabe 2 usw. War man bei einer Aufgabe fertig, lief man der Reihe nach einfach weiter zur nächsten bis man einmal rum war. Aufgaben 1 und 5 fanden mehr oder weniger im Tal statt. Für die Aufgaben 2, 3 und 4 durfte man weit nach oben kraxeln. Am Ende des Tages waren wir sage und schreibe sieben Kilometer gelaufen!!

Da das ein Workingtest für Anfänger war, hatten alle Hunde A-Niveau. Die Fortgeschrittene und Offene Klasse startete am gestrigen Tag. Edison war der einzige Toller unter den ganzen Labbis und den paar Flats bzw. Golden. Curlies und Chessies waren keine vertreten. Wir ernteten teilweise schon merkwürdige Blicke muss ich sagen. Schwer einzuschätzen ob es Mitleid war oder nur Verwunderung, dass ich mit einem Toller starte. Sei’s drum, ich wollte einfach nur Spaß haben und Erfahrung sammeln.

Im Folgenden beschreibe ich alle Aufgaben und wie wir uns dabei geschlagen haben:

Aufgaben

Jo Serruys – Aufgabe 2
Teamaufgabe: Man steht zusammen mit dem Richter, Steward und einem zweiten Gespann in einem Tal auf einer etwas über Knöchel hohen Wiese. Der Weg dorthin führt relativ steil bergab, danach gleichbleibendes Niveau. Es fallen vier beschossene Markierungen in ca. 25m hangaufwärts, die allerdings nicht gearbeitet werden. Drehung um 180 Grad und gemeinsamer Walk Up ca. 10m. Es fällt eine beschossene Markierung in ca. 50m, diese wird vom Hund mit der niedrigen Nummer gearbeitet. Danach geht es zurück zum Ausgangspunkt und die Aufgabe wird noch einmal durchgeführt, so dass der zweite Hund die Markierung holen darf.

Ich war sehr aufgeregt. Erste Aufgabe des Tages und gleich eine Teamaufgabe mit einem fremden Gespann. Vorher wurde noch rege darüber diskutiert, ob man Teamaufgaben überhaupt als erste Aufgabe auf einem Workingtest in Deutschland durchführen dürfe. Keiner hatte jedoch Lust, die Sonderleitung zu fragen. Ich machte mir vielmehr Gedanken darüber, dass wir die Aufgabe in praller Sonne bei mittlerweile über 20°C absolvieren durften. Irgendwie war ich falsch angezogen, egal. :D Zum Glück war meine Mitstreiterin mit ihrem Golden total entspannt. Wir liefen zusammen den Hang hinab gen Richter und Steward, als ich merkte, dass Edison nun auch schnallte, dass er gleich arbeiten dürfe und anfing an der Leine zu ziehen. Ich wusste, wenn ich ihn nun reglementiere, pushe ich ihn nur noch mehr hoch, was definitiv ungut endet. Also ließ ich ihn gewähren. Unten angekommen hörten wir uns die Aufgabe an und nahmen Aufstellung. Der Richter wies uns an hangaufwärts zu drehen, wo die vier Markierung beschossen im hohen Bogen flogen. Daraufhin ließ der Richter einige Zeit verstreichen. Nach fünf Sekunden, mein Blick fiel immer noch auf die Verleitungen, sah ich auf einmal einen Hund lautlos hangaufwärts durch das hohe Gras pflügen. Erst zwei Sekunden später raffte ich, dass Edison derjenige welche war!! WTF, ich war so perplex, damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Beim Training war Einspringen noch nie ein Thema, was machte er da!? Der Reiz gepaart mit anschließender Warterei war wohl zu groß für meine Fellnase, so dass er selbst entschied und sich belohnte. Nachdem Edison wieder mit dem Dummy bei mir war, sagte der Richter nur zu mir: »Anleinen.« Der Drops war gelutscht. :( Immerhin machte es die Mitreiterin und ihr Golden danach besser und absolvierte sowohl das Fußgehen als auch den Apport mit Bravour und ließ sich nicht von uns beeinflussen. Puh.

Caroline Koch – Aufgabe 3
Man steht in einem lichten Wald. In ca. 40m fällt eine beschossene Markierung in einen Hang, Drehung um 180 Grad und ca. 5m Walk Up, danach 90 Grad nach rechts drehen. Es findet ca. 4m vor uns ein Treiben statt, es wird zweimal dabei geschossen. Zuerst soll ein Dummy aus der Suche vor uns geholt werden, dann Drehung um 90 Grad. Ohne weitere Freigabe darf nun die Markierung geholt werden.

Sehr schöne Aufgabe wie ich fand. Die Richterin erklärte sehr gut und nahm mir ein wenig die Aufregung. Nachdem Schuss und Dummy fielen, drehten wir uns um und gingen ein paar Meter. Bei der Fußarbeit war Edison leider ein wenig hektisch, was ich auf meine Kappe nehme, da ich mich auf dem Waldboden selber unsicher bewegte und leider einmal wegrutschte. Beim Treiben sahen wir dann einem Jugendlichen zu, wie er mehrfach mit der Pistole 4m vor uns gen Boden schoss: Klack, Klack, Klack, Peng, Peng, Klack, Klack ging es. Dabei erschrak ich mich selbst dermaßen, dass ich es Edison nicht hätte übel nehmen können, wenn er zur Seite gesprungen wäre. Der ist aber cool sitzengeblieben und bewegte sich kein Stück. Nun durfte ich ihn in die Suche schicken. Eigentlich kein Problem, so dachte ich. Er suchte sich aber einen Wolf und fand nichts, so dass er irgendwann den Radius erhöhte und auf einmal hinter den Tannen nach rechts hinten verschwand. Daraufhin gab mir die Richterin den Hinweis, dass wenn er nun zur Markierung läuft und sie mir bringt, die Aufgabe mit einer Null beendet sei. Das hatte ich auch schon mitgeschnitten und hatte meine Pfeiffe bereits im Anschlag. Als er dann in der Tat aus dem Suchengebiet rauslief und hinter den Tannen auftauchte pfiff ich, so dass er sich hinsetzte. Ich musste ihn nun irgendwie in meine Richtung, weg von der Markierung und gleichzeitig wieder zurück ins Suchengebiet bekommen. Ich entschied mich für den Rückrufpfiff. Als Edison dann in meine Richtung lief, gab mir die Richterin den Hinweis, dass der Hund nicht ganz zurück zu mir kommen dürfe, was ebenfalls eine Null bedeuten würde. Auch das war mir bewusst. Also setzte ich einen weiteren Stopp-Sitz-Pfiff, so dass er 5m vor mir zum Stehen kam. Nun kam mein Out und er lief zurück ins Suchengebiet und siehe da, kurz darauf kam er mit einem Dummy im Fang zurück. Nun noch die Markierung. Durch das ganze Handling hatte ich mittlerweile vergessen, wo genau die Memory-Markierung runtergekommen war. Eieieiei, ich setzte nun alles darauf, dass Edison wusste, was er tut, ich hätte ihn nicht mehr einweisen können. Meine Rakete schoss aber auf mein Apport zielgenau los und brachte mir den zweiten Dummy exzellent, übrigens von einer Fallstelle, die ich dort nicht mal vermutet hätte. :o)

Thorsten Helmrath – Aufgabe 4
Man steht in einem lichten Wald, rechts geht es hangabwärts. In ca. 35m fällt eine beschossene Markierung zwischen zwei Erdhügeln, dann dreht man sich 90 Grad nach rechts und läuft ca. 10m Fuss. Danach dreht man sich wieder zur Markierung, die nach Freigabe direkt gearbeitet werden darf. Ist das Dummy im Sack, dreht man sich wieder hangabwärts, es fällt im Tal in ca. 50m Entfernung eine beschossene Markierung. Diese darf nach Freigabe ebenfalls sofort gearbeitet werden.

Ebenfalls eine sehr schöne Aufgabe beim besten Richter des Tages. Nicht nur, dass er vorab für alle an einer Magnettafel genau erklärte, was zu tun war, ich konnte ihn auch kurz vor der Aufgabe noch mit meinen Fragen löchern. Obendrein gab er mir spontan nützliche Hinweise zur Windrichtung während Edison arbeitete. Echt der Knaller! Ich mag ihn einfach. :) Zur Aufgabe selbst: Endlich konnte Edison zeigen, was in ihm steckt. Beide Markierungen arbeitete er hervorragend, auch die Fußarbeit war gut, hätte er nur nicht beim Zurückkommen mit dem zweiten Dummy im Fang 5m vor mir angehalten und sein Bein gehoben. Ey, so ein Troll!! Ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen sollte. Echt ärgerlich, das bedeutete nämlich doch noch Punktabzug. Dennoch war ich zufrieden. :)

Eveline Schlösser – Aufgabe 5
Man steht auf einer Lichtung, mit Gras bis zur Wade. Man schaut hangabwärts auf eine Waldkante in ca. 60m Entfernung. Es fällt eine beschossene Markierung von der Wiese ca. 2m in den Wald, wo sich dichtes Gestrüpp inkl. Stacheln befinden. Diese darf nach Freigabe sofort gearbeitet werden. Drehung um 180 Grad und ca. 20m Walk Up, in der Mitte des Walk Ups fällt links ein Schuss nach vorne. Am Ende steht man ca. 15m vor einem »Kreis« aus großen Bäumen, aus diesem Suchengebiet soll ein Dummy geholt werden.

Als ich bei der Richterin mit Edison ankam, erklärte sie mir lediglich, dass eine Markierung fallen würde, die der Hund nach Freigabe direkt arbeiten dürfe. Auf meine Frage, ob das alles sei oder ob es danach noch weiterginge, bekam ich nur ein Schnippisches »Das werden Sie dann schon sehen!« … freundlich ist anders. Nun gut, ich leinte Edison ab, Schuss fiel, Dummy auch, Freigabe kam und ich schickte Edison los. Leider machte er dabei ein kleines Geräusch, so dass die Richterin mir nach dem Retrieve direkt mitteilte, dass es eine Null sei. Ich werde es wohl nie verstehen, der Schuss war bei weitem lauter, einfach eine beschissene Regelung! Immerhin bot sie mir an, die Übung fortzuführen, was ich dankend annahm. So liefen wir den Walk-Up inkl. Schuss bis die Richterin uns anhalten ließ. Ich schickte Edison mit Search, der auch direkt zum Suchengebiet lief, allerdings zu meiner Verblüffung genau am Rand davor anhielt, sich zu mir umdrehte und hinsetzte. Ganz nach dem Motto: Und, was soll ich nun tun!? Jetzt kommt mein Lieblingsspruch: Das hat er ja noch nie gemacht! Hahaha, diese Aktion hat mich echt aus dem Konzept gebracht. Nun fing ich also mit dem Handling an. Ich schickte ihn mit Back zurück und machte den Suchenpfiff. Edison suchte auch, aber fand keinen Dummy und verließ nach ca. 15 Sekunden das Suchengebiet, so dass ich ihn immer wieder mittels Out, Rückrufpfiff etc. neu einweisen und zurück in den Baumkreis schicken musste. Er wurde aber partout nicht fündig, so dass ich mich schließlich dazu entschied, die Aufgabe abzubrechen. Gerade die Suche, unsere Paradedisziplin, wollte heute nicht funktionieren, wir hatten wohl kein Suchenglück. :(

Fons Exelmans – Aufgabe 1
Teamaufgabe: Man steht zusammen mit dem Richter, Steward und einem zweiten Gespann auf einer nach hinten abfallenden knöchelhohen Wiese, Blick hangaufwärts. Mit Geräusch fallen zwei Markierungen in ca. 7m Entfernung, auf Anweisung des Richters dreht man sich um 180 Grad und geht gemeinsam einen Walk up ca. 40m. Nun schaut man hangabwärts und es fallen vier beschossene Dummies von links nach rechts in ca. 70m Entfernung. Der Richter sagt an, wer in welche Richtung arbeitet. Abwechselnd gilt es für jeden Hund einen Dummy von jeder Seite zu holen.

Unsere letzte Aufgabe an dem Tag. Ich war schon völlig fertig, Edison schien aber auch schon abzubauen. Memo an mich selbst: Wenn man krank ist, sollte man zu Hause bleiben, die Erkältung und das ständige Schniefen brachten mich um. Egal, Augen zu und durch, es gab ja auch nichts mehr zu verlieren. Dieses Mal durften wir mit einem anderen Gespann starten als bei unserer ersten Aufgabe. Die erste Frage, die mir von der Hundeführerin gestellt wurde, ob Edison auch ruhig ist bei Arbeiten. Sie hatte wohl Angst, dass wir ihr bis dato gutes Ergebnis zunichte machen könnten. Naja, ich bejahte. Der Anfang lief noch ganz ok für uns. Die viele Fußarbeit meissterten wir gut, auch die anschließende Ballerei inkl. Warten während das andere Gespann arbeitete. Als der Richter mir dann das verbale Go gab, einen der beschossenen Dummies zu arbeiten, startete Edison direkt durch. Eine Sekunde zu früh … echt ärgerlich. Aber dennoch schön zu sehen, wie schnell mein Kleiner am Ende des Tages noch sein kann. Beim zweiten Dummy hangaufwärts hatte er dann auf einmal keine Lust mehr. Die Luft war förmlich raus. Ich musste ihn mehrfach voran pushen bis er endlich an der Fallstelle ankam. Die Aufnahme und das Zurückbringen waren alles andere als vorbildlich. Natürlich bekamen wir dafür eine weitere Null. Ich war aber froh, dass wir es durchgezogen haben.

Nachdem wir fertig waren, ging es erst einmal zurück zum Auto. Die Hunde wurden natürlich in Form von Essen und Trinken fürstlich für diesen anstrengenden Tag belohnt. Thomas parkte das Auto noch um, so dass es im Schatten stand und Enyo und Edison bei geöffnetem Fenster ihre verdiente Ruhe genießen konnten. Kurze Zeit später schliefen beide. ;) Daraufhin konnten Thomas und ich endlich was Essen gehen. Es wurde gegrillt, genau das Richtige nach so einem Tag. Da es noch ein Stechen um die Plätze 2 bis 4 gab, zögerte sich die Siegerehrung ein wenig heraus. Gewonnen hat am Ende Sonja Combrink mit ihrer Labbi-Hündin Blackthorn Willow und sagenhaften 120 von 120 Punkten, die ich übrigens beide noch aus Zeiten bei den Retrieverfreunden aus Beckum kenne. Mit Lena Kohlhase, ebenfalls ehemalige Trainerin bei den Retrieverfreunden, und ihrem Golden Lining Blazing Jagger, die mit uns zusammen beim Wesenstest in Kamen war, nahm zudem eine weitere bekannte Person am WT erfolgreich teil. Für sie sprang Platz 9 raus. Hut ab!

Fazit

Auch wenn unser Ergebnis am Ende auf dem Papier katastrophal ausschaut, so bin ich total stolz auf meine rote Fellnase, denn er hat während des gesamten Workingtests nicht gefiept, was meine größte Sorge nach dem HTT im letzten Jahr war. Allein dafür hat er von mir einen Orden verdient! Für mich war dieser WT demnach ein voller Erfolg. Und zu den restlichen Leistungen: ich weiß ganz klar, woran es letztendlich lag, dass wir keine Punkte einfahren konnten. Im Training wird in der Regel nicht geschossen, schon gar nicht vier Mal nacheinander mit anschließend hochfliegenden Markierungen. Da war der Reiz einfach noch zu hoch. Aber, sowas kann man zum Glück üben. ;)

Allgemein muss ich aber schon gestehen, dass an so einem Workingtesttag ein ziemliches Ungleichgewicht herrscht. Für maximal neun Dummies, die ein Hund heute arbeiten durfte, wartete man zwischendurch ca. sieben bis acht Stunden. Das frühe Aufstehen und die Anreise mal außen vor gelassen. Ganz ehrlich, da ist jedes Dummy-Seminar spannender und macht sowohl Hund als auch Hundeführer bestimmt mehr Spaß. Es müsste definitiv ein anderer Ablaufmodus her, so dass man beispielsweise die Aufgaben direkt am Stück absolviert. Vielleicht gab es auch einfach viel zu viele Starter. Bevor ich das nächste Mal mit Edison starte, überlege ich es mir sicher zweimal. Ich konnte von Glück sagen, dass ich Thomas dabei hatte, so wurde mir zwischendurch wenigstens nicht langweilig. Vielen Dank für die nette Gesellschaft.